06.09.: Wir haben zu wenig Zeit im Internet verbracht.

Wir haben zu wenig Zeit im Internet verbracht.

Eine theatrale Installation von Lynn Takeo Musiol und Ivana Sokola

„Fakt ist: das Dilemma ist so groß wie nie zuvor. Während die Menschen in technologischer Raffinesse wuchsen, entwickelten sie unnatürliche gesellschaftliche Strukturen. Sie erschufen Hierarchien, die die Selbstentfaltung verboten. Dies machte es den Menschen schwer zu gedeihen. Im Glauben an die hybrid-digitale Realität, in der sie lebten, hatten sie sich vom Digitalen getrennt. Sie erschufen urbane Zwitterwesen, die sich in der Sicherheit wälzten, verbunden zu sein. Sie erschufen eine Umwelt der Updates, der Likes, der Influencer, eine Gesellschaft, die auf Stil statt auf Haltung basiert. Und wenn wir uns das alles so angucken, dann konnte die Befreiung der Menschen eben nur durch die allumfängliche Bejahung des Digitalen erfolgen.“
(Notiz eines unbekannten Autors)

Die theatrale Installation „Wir haben zu wenig Zeit im Internet verbracht“ untersucht mit Rückgriff auf die im Berliner Ringtheater 2019 uraufgeführte Performance „Dream Body Outlet“ Möglichkeits- und Erfahrungsräume einer post-digitalen Gesellschaft.

Hierbei nutzen die Künstler*innen Lynn Takeo Musiol und Ivana Sokola Versatzstücke, Audioelemente sowie Videoausschnitte der Performance rund um die Agentur „Digital Pioneers“, um den körperlichen wie räumlichen Spannungszusammenhang des Selbst von Übergang und Einkehr, von analoger zu digitaler Sphäre, zu ergründen. Wie viel und wie viele kann eine einzelne Person werden? Wie sieht ein digitaler Transformationsraum aus? Was ist das Vergängliche am digital romantischen und gar ewigen Selbst? Und was ist sein poetisch utopisches Moment?

„Wir haben zu wenig Zeit im Internet verbracht“ beleuchtet in einem teil-immersiven Setting die Beständigkeit vorübergehender Begegnungen und alternative Verständnisse einer zukünftigen Gemeinschaft.

Ivana Sokola wurde 1995 in Hamburg geboren. Sie lebt und arbeitet als Autorin, Performerin und Theatermacherin in Berlin. Sie studierte Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg, im April 2018 nahm sie das Studium des Szenischen Schreibens an der Universität der Künste Berlin auf. Sie ist Teil der Performance-Gruppe SIGNA und hat in Produktionen am Schauspielhaus Hamburg und am Volkstheater Wien verschiedene Tätigkeiten wie Dramaturgie, Performance und Ausstattung ausgeübt. Darüber hinaus arbeitete sie während ihres Studiumszeit als Assistentin bei unterschiedlichen Theaterproduktionen (u.a bei Frank Castorf). Zuletzt war sie als Bühnenbildnerin beim Projekt DAU – Freiheit des Regisseurs Ilya Khrzhanovsky beschäftigt. Im Februar 2019 entstand unter ihrer und Lynn Musiols Regie die Performance DREAM BODY OUTLET am Berliner Ringtheater. Gemeinsam mit der Filmemacherin Avi Bolotinsky realisiert sie als Pathos2000 Texte und immersive Performances.

Lynn Takeo Musiol, geb. 1991 in Leverkusen. Studium der Soziologie und Internationalen Kriminologie in Hamburg, Amman und Budapest. Diverse Forschungsaufenthalte. Regie- und Dramaturgieassistenzen am Schauspielhaus Hamburg, den Salzburger Festspielen und dem Maxim-Gorki-Theater Berlin. Seit 2018 Stipendiat*in der Akademie der Künste Berlin. Sie ist Gastherausgeber*in des Literaturmagazins metamorphosen. Arbeitet aktuell als kuratorische Assistenz für den 4. Berliner Herbstsalon.

Ausstellungsdaten auf einen Blick:
Wir haben zu wenig Zeit im Internet verbracht.
Vernissage: Fr., 06.09.2019 um 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 07. bis 08.09.2019
Öffnungszeiten: täglich 15 bis 20 Uhr


Raum linksrechts
Valentinskamp 37 | 20355 Hamburg

www.facebook.com/raumlinksrechtswww.das-gaengeviertel.info/programm


Die Ausstellung wird mit freundlicher Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien realisiert.